Wanderung

                     Köpfchen - Dreiländerweg - Vaalserquartier

                                                   am 07.03.04           

 

17.05.11

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 Treffpunkt: 09.30 Uhr Bushof

          Strecke: ca. 13 km   

 

(Vom Köpfchen – Aachener Wald – Entenpfuhl – Preußwald - Königsweg- Dreiländereck- Vaalserquartier)

 Ab Köpfchen durch den Aachener-Wald auf deutscher Seite, an der deutsch / belgischen Grenze entlang.

Vorbei am Dreiländerblick und Gasthaus Entenpfuhl, durch den Ort Preußwald, dort überschreiten der Grenze nach Belgien, weiter über den Königswegs zum König-Baudouin-Turm (Aussichtsturm) und Dreiländereck mit Einkehr.

Vom Dreiländereck weiter in Richtung Vaalserquartier, mit Blick über Aachen, Vaals und Eifel.

Rucksackverpflegung ist angesagt.

Gäste sind herzlich willkommen.

Köpfchen: Historischer Landgraben mit den eigentümlich gewachsen Kopfbuchen und die Zyklopensteine. Die Anpflanzung ist noch Zeugnis des „Aachener Reichs“, das von 1611 bis 1794 bestand. Die französischen Truppen setzten diesem kleinem Reich ein schnelles Ende. Napoleon mit seinen Denkern und Planern gab der Stadt in zahlreichen Reformen und Umplanungen dafür ein neues Gesicht auf dem Weg in die Moderne.

Königsweg: Den Moresneter Pilgerweg entlang, vorbei am Westwall, an Grenzsteinen verschiedener Jahrhunderte und zurück über den Königsweg gewinnen wir historische Eindrücke zur Grenze.

Dreiländereck: Land ohne Grenzen, so wird das Dreiländereck Aachen --Lüttich - Maastricht oft genannt.

Dreiländereck: Dort gibt es zum einen schöne Wanderwege, in allen drei Ländern. Es gibt einen Aussichtsturm und ein sehr interessantes Labyrinth. Von den drei eingebauten Brücken hat man dann einen Überblick und kann den Weg planen. Es sei bemerkt, dass man durchschnittlich 20-45min benötigt, um in die Mitte zu gelangen, wo ein Eisstand auf einen wartet. Vom Aussichtsturm hat man einen wunderbaren Blick über alle drei Länder und kann mit Hilfe von mehreren Ferngläsern auch Einzelheiten in einiger Entfernung klar erkennen. Für das leibliche Wohl ist auch gesorgt. Außer dem Dreiländereck befindet sich Hollands höchster Punkt an diesem Ort. Er ist durch Steine Gekennzeichnet.



 

 

Die Atsch selbst war lange Zeit unbewohnt. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war der Bereich der Atscher Mühle praktisch das einzige Anwesen mit wenigen Bewohnern. Entscheidend für die weitere Entwicklung war einmal der Umstand, dass die Eilendorfer große Flächen des Atscher Waldes, der 1825 mit Würselen, Weiden und Haaren geteilt wurde, abholzen ließen und vor allem die Errichtung des „Stolberger“ Bahnhofs (auf Eschweiler Gebiet), der die Industrialisierung forcierte (Kohleabbau / chemische Fabrik Rhenania und andere / Eisenbahnknotenpunkt).

Mit gestiegener Bevölkerung kam der Wunsch, eine eigene Kirche zu bauen, was nach längeren Verhandlungen 1900 erfolgte. Von 1901 bis 1908 war Atsch Kapellengemeinde und Rektorat von Eilendorf, seit dem 1. März 1908 selbständige Pfarre.

Von unserem Ausgangspunkt, dem Parkplatz am Friedhof, gehen wir die Friedhofsstraße weiter, die nach wenigen Metern in eine scharfe Linkskurve macht. In dieser Kurve verlassen wir die Straße und gehen geradeaus weiter, ein Stückchen bergab und dann rechts auf einen Weg, der auf der früheren Straßenbahnstraße angelegt worden ist (zwei rot- weiße Eisenpfosten verhindern Zufahrt von PKW). Die Straßenbahnlinie wurde1897 von Eilendorf über Atsch nach Eschweiler geführt; an Atsch-Dreieck war ein Umsteigen in Richtung Stolberg-Innenstadt und weiter bis Zweifall möglich. 1973 wurde die Linie eingestellt und durch Busse ersetzt. Die Trasse ist dann als Weg befestigt worden, der hinter dem Atscher Sportplatz (links) und der Bebauung Eichhornweg / Am Hirschfeld (rechts) zur Landstraße 236, der Sebastianusstraße, die oberhalb auf die L221 (Cockerillstraße / Eilendorfer Straße) trifft, führt, die wir überqueren, um in Richtung Waldrand weiter leicht bergan zu gehen.

Nach rund einer Viertelstunde (ab Friedhof) erreichen wir, das Sebastianuskreuz.

Unter einer mächtigen Eiche steht das Kreuz in einer umzäunten Anlage, die 1988 samt Ruhebänken neu hergerichtet wurde, zumal das alte Kreuz morsch war. Das Kreuz soll jene Stelle markieren, wo einst die 1474 erwähnte Sebastianuskapelle im Atscher Wald stand. Für die Pfarre Eilendorf werden seinerseits fünf Kapellen erwähnt, von denen lediglich die 1774 neu erbaute St. Apollonia in Eilendorf erhalten blieb. Am Sebastianuskreuz machten überlieferterweise die Gressenicher Pest- und Erdbebenwallfahrer auf ihrem Weg nach Niederforstbach einen der sieben vorgeschriebenen Kniefälle. Die Pilger kamen von Stolberg über die Trasse Cockerillstraße / Eilendorfer Straße an diesem Punkt, der heute einen schönen Rundblick ermöglicht, wobei das Altenwohn- und Sozialzentrum, das Hochhaus Liester, der Schornstein der früheren Zinkhütte oder der Donnerberger Sender wie schon bei anderen Wanderungen markante Orientierungspunkte sind.

Es geht weiter leicht bergan. Jenseits der Straße, eingezäunt an einer Weidengruppe, liegt ein Jüdischer Friedhof, den man besichtigen kann (hoch bis Bayerhaus und dann zurück); wir biegen vor Bayerhaus rechts ab in den Wald, wo Polder den Wegzugang kennzeichnen. Der Weg trifft auf die Schneise, die im Wald nach Bayerhaus hochführt, wo wir links ein- und gleich danach wieder in den zweiten Weg rechts abbiegen (Orientierungshilfe: Die gelben Metallpfosten, die die Trasse einer Erdgasleitung kennzeichnen).

Wir kommen immer näher an die links verlaufende Autobahn (Lichtenbusch-Aachener Kreuz) und erkennen voraus in der der Ferne die Halde Alsdorf sowie die Kirche in Weiden. In Höhe des zweiten Hochspannungsmastes geht der Weg deutlich sichtbar nach rechts ab. (Gingen wir geradeaus weiter, träfen wir auf die Druckreglerstation der Erdgasleitung.)

Auf unserem Weg kommt nun Gut Schwarzenbruch ins Bild, als Restaurant im hiesigen Raum eine gute Adresse, wo der Turnierreiter Peter Schmitz lebt, der schon zu deutschen Meisterehren gekommen ist.

Wir biegen an dem  Weg vor dem Waldrand rechts ab und treffen auf eine Wegekreuzung, wo eine Rasthütte steht. Dort halten wir uns links. (Geradeaus der Weg führt zum „Roten Kreuz“ und weiter zum Friedhof für diejenigen, die es schon nach Hause zieht.)

Wir nähern uns mehr und mehr der Landstraße 23 (Würselener Straße), die von Atsch an Gut Schwarzenbruch vorbei über die Bahnstrecke Aachen-Köln nach Verlautenheide führt. Kurz vor Erreichen der Straße trifft von rechts eine breite Schneise auf unseren Weg, die so genannte „Kohlbahn“, die ihren Namen davon hat, dass hierüber mit Fuhrwerken in Atsch gewonnene Kohle nach Weiden transportiert wurde (auch über die „Kohlbahn“ können wir in ¼-Stunde zum Ausgangspunkt dieser Wanderung zurückkehren.) Links in Verlängerung von Gut Schwarzenbruch die Erhebung „Gottes Segen“, die einst ein Wasserhäuschen zierte.

Wir gehen bis zur Landstraße 23 und auf die andere Straßenseite, wo wir nach rechts weitergehen. Nach wenigen Metern wechseln wir links auf einen Weg, der eine Zeitlang parallel zur Straße verläuft und biegen dann in den ersten Weg links in den Wald ab. Nach einiger Zeit kommen wir an eine Kreuzung, wo es links weitergeht. Wir nähern und der Bahnstrecke Stolber-Alsdorf.

Bedeutsam ist hier, dass es Funde aus der Römerzeit gibt, die die Wahrscheinlichkeit einer römischen Besiedlung untermauern, zumal jenseits der Bahn im Bereich des Camps der belgischen Armee auch Grundmauern einer „villa“ entdeckt wurden. Die Bahnlinie wurde 1870 in Betrieb genommen. Da vom Stolberger Hauptbahnhof auch Bahnlinien nach Jülich (1873), Würselen (1874) und Wahlheim (1889) entstanden, wurde Stolberg zu einem der größten Güterbahnhöfe im linksrheinischen Raum. Die „Schlagader des Weltverkehrs“, wie anfangs die Eisenbahn euphorisch gelobt wurde, hatte allerdings für die Passagiere auch ihre Tücken: In der dritten und vierten Klasse, wo aus Kostengründen die meisten mitfuhren, fehlte in den ersten Jahren die Bedachung, so dass der Slogan „Bequem mit der Bahn“ bei Wind, Regen oder Schnee bestimmt nicht zutraf. Die „Rheinische Eisenbahn“, die die Strecke Köln-Aachen 1841 in Betrieb genommen hatte und sich in Privathand befand, rüstete erst alle Wagen mit Dächern aus, als Erkrankungen und zunehmende Kritik die Kundschaft abschreckte.

Rund 75 Minuten unterwegs, wenden wir uns nach rechts und treffen auf die Steinbachstraße, die über die Bahnstrecke hinweg nach Steinbach-Hochwald führt, das am 1.1.1935 mit Teilen des Donnerbergs und dem Duffenter Stolberg angegliedert wurde. (Weitere Spaziergänge dort sind empfehlenswert: mitten im Wald gibt es auch ein Restaurant.)

Wir wenden und nach rechts und gehen in der Kurve wieder in den Wald, wo es in Richtung Bebauung geht. Auf einem Steg überqueren wir ein kleines Rinnsal, den so genannten „Weckenpützensief“ und erreichen die Gärten der Häuser an der Würselener Straße. Links weitergehend kommen wir wieder auf die Steinbachstraße, wo sich uns gegenüber die Halde der ehemaligen Kali-Chemie auftürmt. Der Bewuchs mit zumeist Birken lässt gar nicht vermuten, dass hier eine der größten Stolberger Altlasten ist, deren Entsorgung sich überaus kompliziert und schwierig gestaltet.

Rechts weiter bergan treffen auf der Höhe auf die Würselener Straße und haben zur Linken das Bergmannskreuz“.

Die Grube Atsch bescherte Mitte des 19. Jahrhunderts eine kurze Blütezeit, zumal die Atscher Kohle als hochwertig galt. Die Stilllegung der Zeche erfolgte aber schon 1870. Der Wetterschacht wurde zugeschüttet, die Aufbauten (bis auf das „Küllche“) verschwanden. Übrig blieb das „Bergmannskreuz“ hier auf der Höhe. Als es bei der Sprengung eines dahinter liegenden Bunkers nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, zeigten die Atscher, wie sehr sie sich an das Bergmannskreuz gewöhnt hatten. Für das neue Steinkreuz wurde gespendet; Bausteine wurden den Seitenaltären der zerstörten Pfarrkirche entnommen und am 20. Mai 1951 erfolgte die Weihe des heutigen Kreuzes.

Links geht es abwärts in Richtung Atsch-Dreieck, wobei rechts voraus hinter der Tankstelle besagtes „Küllche“ zu erkennen ist, jenes Überbleibsel der Bergwerksgebäude, das in den siebziger Jahren renoviert wurde.

Wir biegen vorher links in die Hasencleverstraße ein. Sie ist nach dem Aachener Apotheker Friedrich Wilhelm Hasenclever benannt, der 1852 ein Verfahren entwickelte, aus Zinkblende Schwefelsäure zu gewinnen. Hasenclever war Mitbegründer der „Waldmeisterhütte“, die zwei Jahre später (1854) in die „Aktionsgesellschaft chemische Fabrik Rhenania“ umgewandelt und 1928 ein Werk der Kali-Chemie AG wurde. Beim Rösten der Zinkblende entwich zuvor der größte Teil des Schwefeldioxyds, was Mensch und Natur schadete und große Proteste gegenüber den Zinkhütten (seit 1819 in Betrieb) auslöste. Hasenclevers Verfahren reduzierte den Schwefeldioxyd-Ausstoß für damalige Verhältnisse auf ein Minimum. Die Hasenclever-Straße führt durch das frühere Firmengelände. Von der Fabrik ist durch Zerstörung im Zweiten Weltkrieg kaum noch etwas übrig geblieben. Neuerdings ist hier ein Gewerbegebiet.

Dort, wo die Straße im rechten Bogen auf die Rhenaniastraße führt, lag linker Hand zum Bahnhof hin die Düngemittelfabrik Dr. Schippan, die am 12. April 1920 durch eine Explosion restlos zerstört wurde, was 25 Todesopfer forderte.

Von der Hasencleverstraße nun über die zum Bahnhof führende Rhenaniastraße halb rechts in die Münsterbachstraße und dort rechts in den „Berthold-Wolff-Park“. Hier links war das Lager, wo in der Nazi-Zeit Stolberger Juden interniert und dann in die Konzentrationslager abtransportiert wurden. Ein Gedenkstein an der Rhenaniastraße erinnert daran, dass über 100 jüdische Mitbürger von hier 1942 in den sicheren Tod geschickt wurden, nachdem sie zuvor einige Zeit zu Zwangsarbeiten herangezogen wurden.

Im Berthold-Wolff-Park ist Punkt 8 des „Jubiläumsweges“, die restaurierten Glühöfen der Atscher Mühle, die schon im 15. Jahrhundert bestand und von der Familie Schleicher in das erste Walzwerk Stolbergs umgebaut wurde. Im Park selbst sind noch gut Mühlenteich und Zuleitung zu sehen.

Aus dem Park geht es nach links. Noch vor Atsch-Dreieck ist links ein großer Weiher (heute Fischteich), der einst Wasserreservoir der Mühle war. Auf der rechten Seite der Rhenaniastraße sind noch Mauerreste der Chemischen Fabrik zu sehen.

Am Atsch-Dreieck war links in der Eisenbahnstraße nach gut 100 Metern in etwa der Standort der Schneidmühle, auf die heute ein Straßennahme verweist. Sie war eine Mühle auf Abteigebiet. Wann sie entstand, ist nicht bekannt, wohl aber, dass Jeremias Hoesch III. sie im 17. Jahrhundert als Eisenmühle nutzte.

Wir halten uns aber geradeaus und gehen auf der ehemaligen Straßenbahntrasse, die hier ein Durchstich durch die Abraumhalde der früheren Grube Atsch ist, in die Hammstraße, wo wir an den „Hövvele“ (Hügel) vorbei nach rund zehn Minuten auf unseren Ausgangspunkt stoßen.

Angemerkt sei noch, dass der Rundweg durchaus auch hier an Atsch-Dreieck begonnen werden kann, wenn man lieber mit dem Bus anreisen will. Natürlich kann man die Tour auch ausdehnen, indem man doch ab Burg losmarschiert und dann ab Atsch-Dreieck per Bus oder zu Fuß den direkten Weg in die Innenstadt und zur Burg nimmt.

 

Am Fuße einer alten Eiche steht – vor Jahren restauriert – das Sebastianuskreuz am Wege von der Sebastianusstraße hinauf nach Bayerhaus.

 

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Stand: 09.06.09