Wanderung

                      Durch Fluss· und Bachaue von Herzogenrath nach Laurensberg

                                                   am 30. Juli 2006           

 

22.07.09

 Treffpunkt: 09.30 Uhr Talbahnhof

          Strecke: ca. 15 km   

Unsere Wanderstrecke führt an der Wurm und an einem ihrer Nebenbäche, dem Wildbach, entlang von Herzogenrath nach Laurensberg. Obwohl die Nutzung der Wasserkraft und zutage tretende Steinkohleadern hier eine frühe Industrie entstehen ließen, führt die Route durch eines der landschaftlich reizvollsten und gleichzeitig geschichtlich interessantesten Naherholungsgebiete unserer Region.

Der Bach musste sich hingegen begradigen und eine zunehmende Bebauung seines Tales gefallen lassen. Dennoch lohnt es sich auch hier, seinem Lauf auf schmalen Pfaden zu folgen.

Die Quellen der Wurm und mehrere ihrer ersten Nebenbäche liegen im Aachener Wald. In der Stadt nimmt sie Zuflüsse aus heißen Quellen auf. Deshalb ist ihr Wasser auch wärmer als das anderer Wasserläufe. Dieser Tatsachen verdankt sie wohl auch ihren Namen, der von dem keltischen "borm" = warm stammen soll. Von der Wolfsfurth am nördlichen Ausgang der Soers bahnt sich in vielen Mäandern mit gut erkennbaren Gleit- und PralIhängen ihren Lauf durch die Wiesenauen. Die Feuchtbiotope im Tal, Hoch- und Niederwald an den Hängen, Heide und Odflächen bieten einer vielfältigen Flora und Fauna Lebensraum. "Die Wurm repräsentiert innerhalb von Nordrhein-Westfalen den letzten naturnah erhaltenen Tieflandfluss .... " (Infotafel der Bilologischen Station Kreis Aachen.)
Von Rimburg, der Grenze zum Kreis Heinsberg, wurde ihr Bett in den 1960 er Jahren begradigt. Die Wurm mündet nach 53 km bei dem Heinsberger Ortsteil Stah in die Rur.

Wir starten am Bahnhof Herzogenrath, gehen durch die Bahnhofstraße in die Stadt, dann rechts auf der Kleikstraße weiter über die Wurm und biegen unter der Eisenbahnbrücke links in einen schmalen Fußsteig ein, der uns zur Schütz von Rode Straße führt. Die überqueren wir und wandern auf der Eisenbahnstraße entlang der Bahnlinie weiter, bis uns nach etwa 500 Metern ein Feldweg zu einem Damm nach links abzweigt. Dem folgen wir bis vor den Damm, wenden uns hier nach rechts und bei der ersten Gelegenheit wieder links und erreichen über die Wurm den Europäischen Fernwanderweg mit dem Zeichnung E 8/ X1. Ihm folgen wir nach rechts.

1 Bei dem Damm handelt es sich um den Bahnanschluss zum ehemaligen Tagebau "Maria Theresia", in dem von 1861 bis 1969 mit teilweise langen Unterbrechungen Braunkohle gefördert wurde.

Wenn wir an der linken Seite an eine Grube kommen, biegen wir scharf rechts ab.

2 Das Schild "Naturdenkmal" macht auf den alten Bergbau aufmerksam, der wahrscheinlich seit dem 12. Jahrhundert an den Hängen des Wurmtals und auf den angrenzenden Hochflächen betrieben wurde. Im Hang ist eine dünne Kohleader zu erkennen, wie sie hier leicht abgebaut werden konnten. Eine weitere Grube befindet sich nur wenige Meter weiter links am Weg

Eine Reihe von Stufen führt uns hinab ins Wurmtal und weiter zur ehemaligen Grube Furth.

3 Von der 1690 erstmals erwähnten Grube blieb das Betriebsgebäude erhalten. An dessen Giebel ist nach das "Kunstkreuz" der Fahrkunst zu erkennen. Die wurde mit Wasserkraft betrieben und beförderte Bergleute auf versetzten beweglichen Leitern nach untertage. Den Abbau von Kohle in größeren Tiefen erlaubten die ebenfalls mit Wasserrädern betriebenen Pumpen, die für die Ent­wässerung der Stollen sorgten

Auf der Asphaltstraße treffen wir bald wieder auf den Wanderweg E 8. Ihm folgend erreichen wir die Burgruine Wilhelmstein dann, wieder im Tal, die Bardenberger oder Alte Mühle

4 Oie im Jahr 1270 unter Wilhelm IV. von Jülich errichtete Burg hatte die Aufgabe, die Grenze seines Gebietes zu dem Herzogtum Limburg (später Brabant), zum Heydener Ländchen und zum Aachener Reich zu sichern. In einigen Kriegen beschädigt, wurde sie 1691 endgültig zerstört. Heute sind nur noch das Eingangstor sowie Reste des Bergfrieds und der Mauer erhalten. Ein Restaurant lädt zur Einkehr und eine Freilichtbühne zu überörtlich bedeutenden Veranstaltungen.

5 Das heutige Hotel und Restaurant war Bannmühle der Vogtei Wilhelmstein. Hier mussten die Bauern des Herrschaftsbereiches ihre Erzeugnisse mahlen lassen. Wahrscheinlich war sie ab 867 und bis 1899 in Betrieb.

Sobald wir die Straße überquert haben, wandern wir links unterhalb des Hanges zu zwei Zeugen des frühen Bergbaus: dem "Knopp", einer ehemaligen Pferdestation, und wenige Meter weiter linken Seite einem Stolleneingang der Grube Gouley. Eine Tafel informiert uns über seine Bedeutung.

 6"Dieser Stollen wurde wie viele andere in früheren Jahrhunderten von der Sohle des Wurmtales in den Höhenrücken vorgetrieben. Ursprünglich zur Förderung der Steinkohle angelegt und 1837 ausgebaut, dient der Stollen seit langer Zeit der Entwässerung der früheren Würselener Grube Gouley. ...
Die Grube Gouley, zu der dieser Stollen einst gehörte, wurde 1599 erstmals urkundlich erwähnt.... " Die Grube wurde 1969 geschlossen.

Weiter mit dem Zeichen E 8 kommen wir an der nächsten Straße zur 7 Pumper Mühle, einer 1648 errichteten Kupfermühle, in der u. a. Fingerhüte hergestellt wurden. Hier befand sich auch das Pumpwerk einer Kohlengrube. Auf schmalem Steg gehen wir über die Wurm, dann über einen Wanderparkplatz zum Teuter Hof links an der Straße.

8 Auch hier wurde von 1685 Steinkohle gewonnen. Die Grube Teut war die einzige im ehemaligen Aachener Reich. Ein Wasserrad lieferte die Energie zum Abpumpen des Grundwassers. Die Kohle wurde mit einem von Pferden gezogenen Göpel gefördert. Ein Wassereinbruch aus der Wurm beendete am 18.01.1901 den Betrieb. Heute ist der Teuter Hof ein beliebtes Restaurant mit einem großen Biergarten.

Gegenüber führt uns ein fester Weg rechts ab zu der 9, 1616 erstmals erwähnten Adamsmühle, in der bis 1905 Getreide gemahlen wurde, und weiter mit herrlicher Sicht in das Wurmtal schließlich an der Einmündung des Meisbaches in die Wurm zur 10 Wolfsfurth, einer seit 1200 bestehenden Anlage, die zeitweilig Getreide-, Kupfer- und Schauermühle (mit Nadelherstellung) und von 1813 bis 1930 auch Sitz der Tuchfabrik Kluetgens war

An der Weggabelung lassen wir uns in einem weiten Bogen zum "Blauen Stein" weisen. Bald treffen wir wieder auf den bekannten Fernwanderweg, der uns durch den Hohlweg, einem Teil des ehemaligen Aachener Landgrabens, zu dem
11 Obelisken aus Blaustein führt. Er wurde zum Andenken an Pauline, einer Schwester Napoleons, errichtet. Sie kurte in Aachen, und sie soll sich bevorzugt an dieser Stelle aufgehalten haben

Wir glauben ihr diese Vorliebe gern, denn die Aussicht ins Wurmtal und in die Soers lohnt sich wirklich trotz der riesigen Kläranlage, die sich bald unterhalb unseres Weges ausbreitet. Auch der Lärm der nahen Autobahn beeinträchtigt unseren Wandergenuss.

Wir unterqueren sie und eine weitere Straße bald und verlassen an der alten Tuchfabrik (jetzt "devolo" bzw. "GE-MO") den gezeichneten Weg und suchen uns den schmalen Pfad rechts zwischen dem denkmalsgeschützten Gebäude und einem Zaun. Auf ihm gehen wir zunächst zwischen ehemaligen Mühlteichen und dann am Wildbach entlang.

Der Wildbach entspringt bei Seffent aus sieben Quellen und mündet etwas oberhalb der Kläranlage in die Wurm. Unterwegs speist er nicht nur den Wassergraben von Schloss Rahe 15, er ermöglichte auch den Betrieb einiger Mühlen: der Rahemühle (Getreide) und der Tuchfabriken Follmühle 14, Becker an der Stockheider Mühle 13, und Leo Führen 12, an der wir die Straße verlassen hatten

Hinter der ehemaligen Tuchfabrik Becker wenden wir uns auf der Straße einige Meter nach rechts, finden aber bald links wieder den Pfad am Bach. An der nächsten Mühle gehen wir geradeaus weiter, unter der Umgehungsstraße hindurch, hinter dem Tunnel rechts auf den Damm des Regenrückhaltebeckens und auf ihm zur Rahemühle und auf der Straße am Schloss Rahe vorbei. Durch den Zaun lässt sich ein Blick auf das eindrucksvolle Gebäude wagen.

15 Ein Ludwig von Roede ließ die ehemalige Wasserburg wurde im 13. Jahrhundert erbauen. Der spätere Gutshof wurde 1787 im Auftrag von Gerhard Heusch, Kaufmann, Färbereibesitzer und Ratsherr in Aachen, umgebaut. 1818 mieteten der Prinz von Oranien und seine Frau, die Schwester des russischen Zaren das Gebäude während des Aachener Kongresses, in dem Russland, Österreich und Preußen eine erneute französische Monarchie verhindern wollten. 1906 nahm es der Geheime Bergrat Dr. Viktor Weidtmann; Generaldirektor der AG für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation Stolberg zum Wohnsitz. Nach längerem Leerstand ließ es ein Versicherungskonzern umbauen und als Business-Center betreiben.

Wir wandern nun unter dem Bahndamm hindurch zur Roermonder Straße in Laurensberg, wo links an der Bushaltestelle "Wildbach" unsere Strecke endet.

16 Heute lädt der alte Bahndamm zu Spaziergängen ein, denn er hat schon lange seine ursprüngliche Aufgabe verloren. Er war ein Teil der Bahnstrecke Rheydt - Herzogenrath - Aachen, die am 17.01. 1853 in Betrieb genommen wurde. Sie endete am Marschiertorbahnhof Später wurde die Trasse verlegt

 

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Stand: 18.06.07